1914: Die erste Frau bei der Allianz

Die Belle Époque endete in der Katastrophe des Ersten Weltkriegs. Europa stürzte sich in den Krieg und eine Generation Männer starb in den sinnlosen Stellungsgefechten auf den Schlachtfeldern von Verdun, Ypern und an der Somme. Zuhause fehlten diese Arbeitskräfte an allen Ecken und Enden. Also übernahmen die Frauen ihre Positionen als Briefträger, Trambahnfahrer, Arbeiter in den Fabriken und als Angestellte bei den Versicherungsgesellschaften. Beim ADVV wurde nun die Fräuleinabteilung aufgelöst. Frauen arbeiteten stattdessen Seite an Seite mit ihren wenigen verbliebenen männlichen Kollegen in den Fachabteilungen. Die 1890 gegründete Allianz hatte bis zum Ersten Weltkrieg völlig auf Frauen verzichtet.


Der Stuttgarter Verein, der über eine Fusion während der 1920er Jahre zur Allianz kam, beschäftigte bereits um die Jahrhundertwende zahlreiche weibliche Mitarbeiter.

Zwar verzeichnete das Unternehmen jahrelang ein stürmisches Wachstum bei den Prämieneinnahmen, der Betrieb blieb aber bis zum Ende des Ersten Weltkriegs ganz der traditionellen Arbeitsweise des 19. Jahrhunderts verhaftet. Und wo keine Büromaschinen eingesetzt wurden, schienen weibliche Arbeitskräfte verzichtbar. Ob der mangelnde Wille zur Modernisierung und Rationalisierung am Widerstand der Beamtenschaft lag – diese fürchteten nicht grundlos, dass die Frauen das Lohnniveau drücken würden – oder ob die Geschäftsleitung der Allianz unter Paul von der Nahmer dies als unwichtig erachtete, ist nicht bekannt. Der Erste Weltkrieg jedoch zwang schließlich auch die Allianz dazu, Frauen einzustellen. Denn von den 792 Mitarbeitern, die die Allianz 1914 hatte, zogen nach und nach 667 in den Krieg. Ihre Stellen nahmen die Frauen ein.