Ausnahmefrauen: Eva von Grumbkow und Mia Weber

"Nun, nach der Niederlage, können die Männer nicht verlangen, daß wir uns weiter ihrer Führung anvertrauen." So schrieb im Jahr 1946 eine Ärztin in einem Leserbrief an eine Frauenzeitschrift. Doch eben dies wurde bald wieder von den Frauen erwartet. 1945 galt Deutschland als eine "männerlose Gesellschaft". In der Altergruppe der 20 bis 40jährigen belief sich der Anteil der Frauen auf cirka 64 Prozent. Das Grundgesetz von 1949 proklamierte die Gleichberechtigung der Frau. Die Formulierung "Männer und Frauen sind gleichberechtigt" war von Elisabeth Selbert und Frieda Nadig gegen heftigen Widerstand ihrer eigenen Partei und der Mehrheit im Parlamentarischen Rat durchgesetzt worden. Doch bis 1958 besaß der Ehemann sogar weiterhin das "Letztentscheidungsrecht": Er konnte den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen, wenn Sie ohne seine Zustimmung arbeitete. Und seit die Männer aus dem Krieg zurückgekehrt waren, hatten die meisten Frauen weichen müssen. Allenfalls Witwen konnten in Ausnahmefällen ihren Arbeitsplatz behalten.


Vertreterinformation zur Werbung in der Allianz Zeitung, die sich gezielt an Frauen richtet: „Frauen, die ihr Leben meistern!”. (1950)

Als der Leiter der Betriebsorganisation der Allianz Heinz-Leo Müller-Lutz im Jahr 1954 seine Hinweise für eine erfolgreiche Karriere mit den Worten "wir sind unter Männern" einleitete beschrieb er die Realität im Unternehmen. Seit 1945 waren die Frauen wieder gewichen, hatten die Allianz verlassen oder waren auf die angestammten Positionen zurückgekehrt, die traditionell von Frauen eingenommen wurden. Eva von Grumbkow aber war eine Ausnahme. 19 Jahre nachdem sie bei der Allianz angefangen hatte, erhielt sie 1956 als erste Frau seit Kriegsende Prokura und leitete bis zur Pensionierung 1971 die Abteilungen Buchhaltung und Statistik. Mia Webers erfolgreichste Zeit bei der Allianz, sie war schon 1911 mit 14 Jahren in die "Fräuleinabteilung" des ADVV eingetreten, begann mit einem Schicksalsschlag. 1944 starb ihr Mann. Sie übernahm dann, provisorisch als Aushilfe eingesetzt und bis Kriegsende befristet, dessen Generalagentur. Ihre Arbeit hatte schnell durchschlagenden Erfolg. Im ansonsten fast rein männlichen Außendienst gehörte sie bald zu den erfolgreichsten Vertretern der Allianz, wurde 1950 und 1951 Mitglied im Heß-Club und leitete ihre Agentur insgesamt ein ganzes Jahrzehnt. Eine im Gegensatz dazu traditionelle Rolle, in der sehr viele Frauen für die Allianz beruflich tätig waren, ist die der Mitarbeiterin im Innendienst der Agentur des Ehemannes.